Programm 2026

Unsere Programme finden Sie immer im Blog Kalinen 2.0.

Münster ist voll spannender Frauengeschichte(n)!

Warum wurde ein Frauenkloster für die Gründung der Universität aufgelöst, die Frauen aber von Studium und Bildung ausgeschlossen? Wie konnten Frauen trotzdem ein eigenständiges Leben führen, Bankerin, Lehrerin oder Hebamme werden? Wo und wie lebten die Beginen in der Stadt? Diese und viele andere Fragen zu Münsters Frauengeschichte leiten uns. Arbeit war für Frauen immer selbstverständlich, Anerkennung und gesellschaftlichen Status gab es dafür eher nicht. Frauen gehen ihre eigenen Wege, auch wenn sie in Vergessenheit geraten. Herrschaft, Krieg und Gewalt, Zwangschristianisierung, wirtschaftliche Entwicklung, Reformationen und Revolutionen, Hexenverfolgungen, Neuzeit und Industrialisierung, Rollenfixierung und der ständige Kampf um Gerechtigkeit und Freiheit veränderte das Leben aller Frauen in allen Jahrhunderten.

Wir, die Arbeitsgruppe Frauengeschichte Münster und das Autonome Frauenreferat des AStAs der Universität Münster laden alle interessierten Frauen/Mädchen zu den ‚Frauenhistorischen Stadtrundgängen‘ mit monatlich wechselnden Schwerpunkt-Themen an jedem zweiten Mittwoch im Monat von 16.30 Uhr bis ca. 18.00 Uhr ein:

 

Unsere Themen

Januar bis April 2026: Keine Stadtrundgänge

 

Mai 2026: Trotz Fleiß kein Preis

“…wenn es üblich wäre, die kleinen Mädchen eine Schule besuchen und sie im Anschluß daran, genau wie die Söhne, die Wissenschaften erlernen zu lassen, dann würden sie genauso gut lernen und die letzten Feinheiten aller Künste und Wissenschaften ebenso mühelos begreifen wie jene. Zudem gibt es ja solche Frauen…” schrieb Christine de Pizan um 1405.
Frauen mangelte es nie an Fleiß, Bildung und Engagement. Sie arbeiteten zu allen Zeiten und in allen Bereichen. Wann, wie und warum wurden sie aber von den Männern aus bestimmten Tätigkeits- und Bildungsbereichen verdrängt und ihnen diese sogar verboten, für andere jedoch besonders geeignet gehalten? Was hieß Frauenarbeit vor ca. 1200, was vor 500, vor 250 oder 50 Jahren? 

Diesen und weiteren Fragen rund um die von Frauen geleistete Arbeit werden wir nachgehen und Frauen vorstellen, die sich trotz aller Widrigkeiten vielseitigen Tätigkeiten z.B. als Eigenhörige oder Regentin, Äbtissin, Begine oder Bäuerin, Marktfrau oder Medizinerin, gekrönt als Kaiserin, Dienstmagd, Handwerkerin oder Weinhändlerin, Lehrerin, Bankerin, Künstlerin oder Gärtnerin eigenständig, in abhängiger Beschäftigung oder in kaiserlichem Auftrag nachgegangen sind.

 

Juni 2026: Die kurze Zeit der Täufer*innen …

Zeitlich geht es knapp 500 Jahre zurück in die Geschichte. Frauen hatten sich  1534 in großer Zahl der ‚Täuferischen Bewegung‘ in Münster angeschlossen. Sie verbanden damit die Hoffnung auf ein freieres und gerechteres Leben. Doch es kam ganz anders in der ‚Stadt der Frauen‘, auch Neues Jerusalem genannt, die so hieß, weil ca. 75 % bis 80 % der damaligen Einwohner*innen Frauen und Kinder waren.

In den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts, den frühen Jahren der Reformation wurde eine Erneuerung der Christlichen Kirche  angestrebt. Doch die  Unzufriedenheit mit den herrschenden Verhältnissen und der alten Kirche gingen viel weiter. Sie führten zu verschiedenen sozial-revolutionären und reformatorischen Bewegungen, deren Mitglieder als Ketzer*innen  verfolgt und hingerichtet wurden. Zu ihnen gehörten auch die sog. Wiedertäufer, die für kurze Zeit die Herrschaft in Münster erlangt hatten. Im Mittelpunkt des Rundganges steht das Leben der Frauen in dieser Zeit.

 

Juli 2026: Künstlerinnen, Schriftstellerinnen & Co.

Für Frauen war es nicht selbstverständlich, Kunst – und Kultur schaffend tätig zu sein. Doch auch hier haben sie sich durchgesetzt. Vorgestellt werden Malerinnen, die eng mit dem 1831 gegründeten Westfälischen Kunstverein zusammen gearbeitet haben oder die Bildhauerin Hilde Schürk-Frisch, deren Brückenstein „Die zwölf Apostel“ besichtigt wird. Vom Drei-Frauen-Museum, vom ersten Autonomen Frauenzentrum und von Schauspielerinnen, Musikerinnen oder Schriftstellerinnen wird zu hören sein, die für ihren Weg gekämpft haben, trotz Behinderungen auf Tournee gegangen sind und sich einen Namen gemacht haben.

 

August 2026: Auch als Hexen verfolgt und verurteilt.   

In der Frühen Neuzeit des 16./17. Jahrhunderts, nicht im angeblich finsteren Mittelalter, wurden auch in Münster Frauen der Zauberei verdächtigt und als Hexen verfolgt. Kurfürst Ferdinand von Bayern, der von 1612 – 1650 auch Fürstbischof von Münster war, gilt als maßgeblicher Förderer der sog. Hexenprozesse. An verschiedenen Orten werden wir über einzelne Schicksale berichten und den gerichtlichen Ablauf beschreiben, der heute als grausames Unrecht gesehen wird. Andere verfolgte Vergehen von Frauen im frühneuzeitlichen Münster kommen ebenfalls zur Sprache: die Verletzung der Ehre, Diebstahl, Unfriedsamkeit, Streitlust oder Sittendelikte wie Kindsmord, Kuppelei, Gewalt in der Ehe oder Prostitution.

 

September 2026: Frauengeschichte(n) entlang des Aa-Seitenwegs

Wir werden uns auf die Suche nach Hildegard von Bingen machen und Fragen nachgehen, wie: Hat es in der kleinen Siedlung Mimigernaford Frauenarbeitshäuser gegeben? Galt im Mittelalter auch für Frauen: ‚Stadtluft macht frei!‘? Warum erhielten Beginen zunächst päpstlichen Schutz, erfuhren später aber Druck und Verfolgung? Wo lagen die Armenhäuser für Frauen? Wie konnten die Adligen Stiftsdamen des Klosters Liebfrauen/Überwasser deren Auflösung verhindern? Diese und weitere Fragen zur Lebenssituation von Frauen durch die Jahrhunderte werden wir entlang des Aa-Seitenwegs beantworten. Auch über Münsters Badestuben oder die Auseinandersetzungen um die Kleinkinderbewahranstalten zwischen 1840 und 1860 wird etwas zu hören sein.

 

Oktober 2026: Herr Käthe und Fräulein Luther.
Vor allem lutherische, protestantische, reformierte und evangelische Frauen, die in den letzen 500 Jahren hier in Münster gelebt und gewirkt haben, werden diesmal vorgestellt. Luther nannte seine Frau ‚Herr Käthe‘ und anerkannte damit ihre Leistungen. Gerade Frauen zeigten sich damals offen für Neues, übten Kritik am Bestehenden und beteiligten sich am Kampf für ein besseres Leben. Ohne die Leistungen der Frauen vor 500 Jahren im Öffentlichen und im Private

 

November 2026: Frauen und Mädchen zur Hansezeit

Vom 12./ 13. Jh. bis zum 17. Jh. entwickelte sich neben der Selbst- oder Eigenversorgung der Siedlungen und Gehöfte, zwischen Stadt und Land und den Städten ein zunehmender Handel von Produkten und auch ein Fernhandel weitete sich immer mehr aus. Dazu waren eine Produktion über den Eigenbedarf hinaus erforderlich und eine Geldwirtschaft, die den (Tausch-)Handel wesentlich erleichterte. Auch Münster gehörte zu den Hanse-Städten. Vom Leben der beiden Kaufmannstöchter Hangesbecke /Knipperdollinck, der glücklosen Verlobung der Anna Plate, von Geldgeschäften und dem Otto-Adelheid-Pfennig, von einer Kiepenfrau, den Beginen und von vielen anderen Frauen und Kindern wird zu hören sein.

 

Dezember 2026: Frauen in Kriegs- und Friedenszeiten

Auch in Münster kämpften Frauen im Krieg und gegen den Krieg. Erzählt wird von Freiheitskämpferinnen wie Mathilde Franziska Anneke, der Täuferin Hilla Feicken, die als ‚die Judith von Münter‘ in die Geschichte einging oder von Königin Christina von Schweden. Frauen waren beteiligt als Täterinnen, Opfer, Mitläuferinnen, Gegnerinnen und Widerstandskämpferinnen. Von Soldatinnen, Marketenderinnen, Soldatenfrauen, Studentinnen, von Opfern des Faschismus und auch von Frauen, die gegen die Wiederbewaffnung, die Bundeswehr, den NATO-Beitritt, das Wettrüsten und die Kriegsbeteiligungen seit den 1950er Jahren auf die Straße gingen, wird zu hören sein.

 

 

WICHTIG:Anmeldungen bitte bis montags zuvor an: info@frauen-stadtrundgaenge-muenster.de!

Eine direkte Buchung ist ebenfalls möglich. Thema und Zeitpunkt wählen Sie dann selbst! Anfragen bitte an info@frauen-stadtrundgaenge-muenster.de

Weitere Infos unter
www.kalinen.wordpress.com/category/frauenhistorisches
oder Tel. 0176/50195257 (Arbeitsgruppe Frauengeschichte Münster)